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Verpackung in der Biotonne In Kassel kann man Gemüse und Brötchen in kompostierbarer Verpackung kaufen Von Claus Peter Müller KASSEL, im September. Auch wenn die Tüten am Gemüsestand und die Folienbeutel mit den Keksen im Bäckereiregal wie konventionelle Plastiktüten aussehen: Sie müssen nicht aus Erdöl hergestellt worden sein. Sie könnten auch aus Stärke bestehen, die aus Mais oder Kartoffeln gewonnen worden ist. Die Verwendung nachwachsender Rohstoffe hilft nicht nur, kostbares Öl zu sparen und die Belastung der Umwelt mit Schadstoffen zu mindern. Sie kann auch die Müllentsorgung erleichtern, da diese neuartigen Kunststofftüten und -folien wie Grasschnitt oder Apfelschalen in die Biotonne kommen, kompostiert und dabei zu Humus umgewandelt werden. In einem großangelegten Versuch in Kassel haben die Verbraucher schon im vorigen Jahr bewiesen, daß sie dank einer entsprechenden Aufklärungskampagne und eines sechseckigen Symbols auf den kompostierbaren Verpackungen zwischen konventionellen Tüten und Komposttüten zu unterscheiden und sie richtig zu sortieren wissen. An den Mülltonnen gab es in der Sprache der Fachleute kaum "Fehlwürfe". Eine Telefonumfrage unter 800 Kasselern zeigte, daß 60 Prozent der Befragten schon nach kurzer Zeit mit dem Versuch vertraut waren. Je 80 Prozent der Befragten waren mit der neuen Verpackung zufrieden und wollten solchermaßen verpackte Produkte wieder kaufen. Mit "sehr gut" benoteten 45 Prozent der Kasseler die Stärke-Verpackung, mit "gut" 40 Prozent. Nun geht der Versuch in die zweite Runde, um das Verhalten der Kunden noch genauer kennenzulernen. Hierbei wirken die sechs größten Tegut- Märkte in Kassel mit. Dort gibt es frische Lebensmittel wie Paprika oder Pilze in kompostierbaren Folien und Schalen, aber auch Tragetaschen, Abfallbeutel, Partybestecke und Trinkbecher aus Stärke-Kunststoff. Edeka- Geschäfte unterstützen den Versuch mit Tragetaschen, Bioabfallbeuteln und Tüten. Ein Blumengeschäft schließlich setzt die Bio-Folie ein, um Blühendes transparent zu verpacken. Die Kunden hatten diese hübsche Form der Verpackung zuvor gemieden, weil sie sich zwar an den Blumen erfreuen, aber keinen zusätzlichen Kunststoffmüll in den gelben Sack knüllen wollten. Dank der Kartoffel-Mais-Folie empfindet nun auch der Ökophile ungetrübte Freude an der Floristenkunst im Knister-Schlauch. Diese zweite Runde findet allerdings in kleinerem Rahmen statt, da die national arbeitenden Supermarktketten Schwierigkeiten hatten, ihre Kasseler Filialen mit Öko-Verpackungen zu versorgen. Nunmehr beschränkt sich das Projekt auf sechs Unternehmen. Das Unternehmen Tegut, das Lebensmittelmärkte in Hessen, Franken, Thüringen und Niedersachsen betreibt, hat es wie wenige andere Ketten in Deutschland verstanden, Öko- Lebensmittel marktfähig anzubieten. Bio-Produkte stehen dort nicht mehr in der Öko-Ecke, sondern neben den anderen Produkten im Lebensmittelregal. Immer mehr Kunden griffen zu, und die Preise sanken fast auf das Niveau konventionell hergestellter Lebensmittel. Etwa zehn Prozent des Umsatzes werden nun mit Öko-Artikeln erwirtschaftet. Der Anteil solcher Produkte am deutschen Lebensmittelmarkt wird im allgemeinen auf etwa zwei Prozent geschätzt. In der Herstellung sind die kompostierbaren Verpackungen drei- bis viermal so teuer wie gewöhnliche; der Lebensmittelhändler kalkuliert etwa den doppelten Preis gegenüber den üblichen Kunststoffen. Der Pilotversuch wird von der Bauhaus-Universität Weimar wissenschaftlich begleitet. Kassel wurde als Versuchsstadt ausgesucht, weil sie wie keine andere Großstadt aufgrund ihrer soziodemographischen Daten den Durchschnitt der deutschen Bevölkerung abbildet. Alle Rechte vorbehalten. (c) F.A.Z. GmbH, Frankfurt
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